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Autogas und weitere Alternativen

Alternative Antriebe für den Wohnmobilausbau

VW T 4Natürlich beschränkt sich die Auswahl des passenden Basisfahrzeuges für den Wohnmobilausbau nicht nur auf die klassischen Diesel- und Benziner-Varianten. Auch alternative Energien wie Elektroantrieb, Solarenergie oder Ethanol-betriebene Fahrzeuge stehen grundsätzlich zur Auswahl. Wenngleich diese Energiequellen wohl eher seltener anzutreffen sind, gibt es dennoch einen alternativen Antrieb, der sich für den Wohnmobilausbau durchaus eignet: das Autogas (auch LPG genannt). Der Vorteil liegt auf der Hand: durch die sauberere Verbrennung bewegt man sich umweltfreundlich fort und kann beim Tanken auch noch sparen. Eigentlich ideal für Ausflüge und lange Reisen. Dabei bewährt sich die Technik des Autogasantriebes bereits seit über 50 Jahren – und steckt damit eindeutig nicht mehr in den Kinderschuhen. Neben der Kostenersparnis kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: die Autogastechnik ist sauberer. Hier entfallen der Ruß und die Feinstoffe, welche gerade bei der Verbrennung von Diesel anfallen. Zwar könnte man der Entstehung von Ruß und Feinstaub durch das Beimischen von Gas im Diesel beheben (das Gas wirkt hier als Katalysator) jedoch ist dieser Mischbetrieb laut EU-Gesetz verboten. Auch wenn sich die Technik Diesel+LPG in Australien beispielsweise bereits seit 15 Jahren beweist. Somit weist ein Gas-betriebenes Fahrzeug eine sauberere Verbrennung auf und passt damit viel besser in den grünen Zeitgeist.

Ein kleines Beispiel

Betrachtet man den VW Golf IV aus dem Jahre 2000 mit den verschiedenen Antriebsformen sieht es wie folgt aus:

LPG: 10 Liter auf 100 km
Benzin: 9 Liter auf 100 km
Diesel: 7 Liter auf 100 km

Zwar scheint es auf den ersten Blick als wäre der Verbrauch mit einem Autogas-betriebenen Golf größer, jedoch muss man sich die Sache genauer anschauen. Was kostet LPG im Vergleich zu Benzin oder Diesel?

LPG: 0,669 bis 0,819 EUR je Liter
Benzin: 1,569 bis 1,719 EUR je Liter
Diesel: 1,339 bis 1,489 EUR je Liter

Damit kann man mit einem LPG-Fahrzeug bereits für 6,69 EUR bis 8,19 EUR 100 km fahren. Beim Benziner muss man für diese Strecke den höchsten Betrag zahlen: 14,12 bis 15,47 EUR. Der Diesel liegt zwar unter der Benzin-Variante, aber dennoch über LPG. Hier kostet eine Fahrt von 100 km zwischen 9,37 und 10,42 EUR. 

Zwar lässt sich der VW Golf nur schwerlich zum Wohnmobil ausbauen, dennoch kann das Beispiel als grober Richtwert gelten. Wenn man sich ein Wohnmobil zulegt, welches auf 100 km 14 Liter Diesel, 18 Liter Benzin oder 20 Liter Autogas benötigt, ist die Rechnung ähnlich. Bei der Überlegung zur Umrüstung muss man also auch bedenken, wie viel man mit dem Fahrzeug fährt und ob sich durch die zurückgelegte Strecke der Anschaffungspreis amortisiert.

Im Überblick - Kosten für 100 km

LPG: 6,69 bis 8,19 EUR
Benzin: 14,12 bis 15,47 EUR
Diesel: 9,37 bis 10,42 EUR

Wohnmobilausbau mit Autogas - Umrüstung eines Benziners

In den seltensten Fällen gibt es das gewünschte Basisfahrzeug für den Wohnmobilausbau bereits als LPG-Variante. Das bedeutet, sofern man umsteigen möchte, dass man vorab klären sollte welche Fahrzeuge umgerüstet werden können und welche nicht. Wichtig: es muss ein Benzin-Motor sein. GDI-Motoren und FSI-Motoren sollten nicht auf Autogas umgebaut werden (zwar werden FSI-Motoren in einigen Fällen von wenigen Autogasumrüstern auf LPG umgerüstet, sie sind dazu aber eher ungeeignet). Gerade die Volkswagen-Gruppe (Seat, Skoda, VW), auch Hersteller der für den Wohnmobilausbau sehr beliebten Transporter VW T4 und T5, hat in den letzten 10 Jahren viele Fahrzeuge mit FSI-Motoren verkauft, die für Autogas ungeeignet sind . Volkswagen verkauft aber auch Caddy- und Transportermodelle mit Motoren mit extra gehärteten Ventilsitzen, die extra für den Autogasbetreib vorgesehen sind.

Achtung: Ventilsitze sollten extra gehärtet sein

Bei der Verbrennung von Autogas entstehen im Motor etwas höherere Temperaturen als bei der Verbrennung von Benzin. Die Ventilsitze im Motor sollten hart genug sein um dieser größeren Hitze zu widerstehen, da sie sonst frühzeitig verbrennen würden. Motoren mit zu weichen Ventilsitzen, wie zum Beispiel FSI-Motoren, sind daher ungeeignet um mit Autogas betrieben zu werden.

Die Meinungen gehen hier allerdings auseinander, denn einige eher optimistische Autogasumrüster glauben fest daran, dass ein Flashlube-System, was tropfenweise ein Additiv im Autogas-Luft-Gemisch einspritzt, es ermöglicht auch Motoren mit weichen Ventilsitzen auf Autogas umzubauen. Andere Autogasumrüster weisen aber darauf hin, dass bei Motoren mit weichen Ventilsitzen nach etwa 150.000 bis 200.000 km sehr teure Reparaturen anfallen, die oft den Wert des Fahrzeuges überschreiten und natürlich nicht mehr unter die Garantie des Autogasumrüsters fallen.

Was passiert beim Umbau mit weichen Ventilsitzen?

Wenn Sie bei älteren Fahrzeugen mit Autogas weißen Rauch aus dem Auspuff kommen sehen, als würde unter der Motorhaube gerade ein neuer Papst gewählt, dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um ein Fahrzeug mit zu weichen Ventilsitzen. Bei extremem Verschleiß werden die Ventile im Motor nämlich langsam durchlässig. Am Ende wird die durchsickernde Kühlflüssigkeit zusammen mit dem Autogas verbrennt (was eben weißen Rauch erzeugt) und der Motor verliert 30 bis 50% seines ursprunglichen Vermögens.

Wenn die Leute sich in der Kneipe erzählen, dass Autogas generell nicht rentabel sei, weil teure Reparaturen zu erwarten sind, dann basieren ihre Meinung wahrscheinlich auf Reparaturen, die bei autogasbetriebenen Motoren mit zu weichen Ventilsitzen anfallen. Eine generelle Ablehnung von Autogas, nur weil einige Autogasumrüster auch weniger geeignete Motoren auf Autogas umrüsten, missachtet allerdings die großen Vorteile von autogasbetriebenen Fahrzeugen: Autogas ist je 100 km billiger beim Tanken und bei der Verbrennung viel sauberer als Diesel (Dieselfeinstaubpartikelfilter sind oft nach 25.000 km mit Ruß verstopft, oder stoßen den Ruß nachträglich beim Regenerationsverbrennungsprozeß aus - in die Luft die wir und unsere Kinder atmen müssen). Es haben viele Menschen bereits 300.000 bis 450.000 km mit einem autogasbetriebenem Fahrzeug zurückgelegt und dabei Umwelt und Geldbeutel gespart. Wer also beim Kauf eines Basisfahrzeuges darauf achtet, dass die Ventilsitze im Motor hart genug sind, oder nachträglich extra gehärtet wurden, kann sich ohne große Sorgen für Autogas entscheiden.

Kleines Manko: keine Dieselheizung möglich

Zwar hat man im gasbetriebenen Wohnmobil nicht die Möglichkeit eine Dieselheizung zu verwenden, dafür steht das Gas als günstiger Energielieferant zum Kochen und zum Heizen zur Verfügung. Bisweilen können auch Neufahrzeuge schon ab Werk mit einer Gasanlage ausgestattet werden – für die Wohnmobilausbauer interessant die sich einen Neuwagen zulegen wollen. Allerdings muss man unbedingt darauf achten, dass der Betriebsdruck im Autogastank bei etwa 10 Bar liegt, der Betriebsdruck bei einem Kochgerät liegt hingegen meist bei 2 Bar. Zudem werden die Kochgeräte meistens mit Butan- oder Propangasflaschen betrieben. Auf Druckregler und Sicherheitsventile sollte man also der Sicherheit zuliebe nicht sparen.

Die Steuersätze für LPG zum Heizen und Kochen sind zudem höher als für Autogas, welches mit vergünstigten Steuern verkauft wird. Im Klartext bedeutet das, dass wer Autogas von der Tankstelle im Wohnmobil zur Beheizung oder zum Kochen benutzt, sich in einer steuergesetzlichen Grauzone befindet. Bislang macht die Steuerbehörde in Deutschland allerdings noch nicht aktiv Jagd auf Wohnmobilbesitzer, die mit Autogas kochen.

Kosten  für die Umrüstung und spezielle Tanks

Je nach Fahrzeugtyp muss die entsprechende Gasanlage verbaut und die Schadstoffeinstufung zugeschnitten werden. In der Regel kosten Gasanlagen für ältere Fahrzeuge (ohne oder mit ungeregeltem Kat) etwa 1.200 EUR. Fahrzeuge mit einer Schadstoffeinstufung bis Euro 2 zahlen etwa 1.700 EUR. Und moderne Euro 4 Fahrzeug-Besitzer müssen bereits mit einem Betrag von 2.500 EUR rechnen (dabei handelt es sich natürlich nur um grobe Schätzwerte). Klar, das ist erst einmal ein Haufen Geld. Aber wer viel reist, holt den Betrag mit Sicherheit schnell wieder herein, ab 15.000 km pro Jahr soll sich der Umbau bereits lohnen. Weiteres Plus: mit Autogas wird die Umwelt geschont! Es entfallen bis zu 80 % der Schadstoffe.

Die speziellen Tanks (Zylindertanks oder Reserveradmuldentanks) sind so sicher gebaut, dass sie auch bei extremen Belastungen dicht bleiben und so eine geringere Gefahrenquelle bei einem Unfall darstellen. Beispielsweise kann ein Benzintank im Brandfall explodieren, ein Autogastank bläst hier das überkochende Gas (Überdruck) durch das Sicherheitsventil ab. Zwar bergen beide Szenarien ein gewisses Risiko, die Feuerwehr kann einen Gastank  bei einem Unfall jedoch leichter unter Kontrolle bringen. Nach dem Umbau kann man an rund 7.000 Gastankstellen in Deutschland Energie tanken - und es werden immer mehr.

Wohnmobilausbau mit Autogas - dem Trend folgen

Bereits einige Wohnmobilhersteller sind auf den Trichter „Alternative Antriebe" gekommen und warten mit LPG- oder gar Elektrofahrzeugen auf. Auch Fahrzeugbauer folgen dem Trend: Mercedes bietet sogar von Werk aus einen Sprinter auf Autogasbasis an (316 LGT). Hier merkt auf den ersten Blick keinen Unterschied. Der Tankstutzen sitzt wie beim Diesel unter einer Klappe und ist gut erreichbar. Im Inneren wird man dann von einer knopfgroßen Anzeige mit Leuchtdioden empfangen. Hier findet man Informationen über den Füllstand des Tanks. Zudem kann zwischen Gas- und Benzintank umgeschaltet werden – ist der Sprinter zusätzlich doch mit einem 100 Liter Benzintank ausgerüstet.

Manch einer mag sich an dieser Stelle fragen, warum der Benzintank? Die Antwort ist einfach: Autogas-Fahrzeuge der neueren Generationen benötigen für den Start eine gewisse Menge Benzin. Erst wenn die Kühlwassertemperatur über 45 Grad wird auf Gasbetrieb umgeschaltet. Früher, bei älteren Gasanlagen, konnten die LPG-Fahrzeuge vom Start des Motors mit Autogas betrieben werden. Jedoch wurde es als umweltfreundlicher angesehen den Motor durch die (Direkt-)Einspritzung des Kraftstoffs in den Zylinder zu starten. Heutzutage ist dies zwar nicht mehr Serie, im Fall der Fälle (sollte beispielsweise die Benzinpumpe defekt sein) unter bestimmten Umständen aber noch möglich. Wer lange Freude an seinem Autogasumbau haben möchte und mit diesem auch längere Urlaubsfahrten unternehmen möchte, sollte einige Punkte beachten: Zum Erhalt des Benzinbetriebs sollte man jeden Monat eine Viertelstunde mit Benzin fahren.

Wer eine längere Tour plant, sollte keineswegs mit fast leerem Benzintank starten. Oft wird die Benzinpumpe auch im Autogasbetrieb mit Hilfe des vorhandenen Sprits im Tank geschmiert. Ist nur wenig Sprit vorhanden, wird dieser durch den Kreislauf (aus dem Tank in die Benzinpumpe und wieder zurück in den Tank) immer wärmer und das Risiko einer defekten Benzinpumpe steigt.

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Kleine Begriffserklärung

Autogas: Gasgemisch aus Butan und Propan
Synonym: Flüssiggas, LPG (liquefied petroleum gas)

Natürlich gibt es auch hier einige gesetzliche Vorschriften zu beachten: der Tank muss fest eingebaut sein und über einen Füllanschluss verfügen. Zudem darf dieser nur zu 80 % gefüllt werden – ein Füllstopventil ist daher unerlässlich. Ebenso wie ein Überdruckventil, muss eine Füllstandsanzeige vorhanden sein. Gerade Fahrzeuge wie der VW T5 oder der VW T4 bieten sich für den Wohnmobilausbau und den Gasumbau an. Aber auch Exoten wie der Citroen Berlingo oder Varianten von Dodge finden immer mehr Anhänger beim Wohnmobilausbau mit Autogas.

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