Wir haben bereits berichtet: Dieselfahrverbote gelten auch für Wohnmobile und Wohnmobilausbauten. Nachrüstungen sind möglich. Nicht immer. Und müssen aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Wer nach Alternativen gesucht hat, stand lange alleine auf weiter Flur. Mittlerweile bietet der Markt aber den ein oder anderen alternativen Antrieb an.



Dieselfahrverbote bahnen Weg für neue Antriebe

Gerade Wohnmobilbesitzer und Wohnmobilausbauer dürften das Thema der Dieselfahrverbote zähneknirschend verfolgen. Klar, der Dieselmotor ist in der Wohnmobilisten-Branche üblich, sogar selbstverständlich. Warum auch nicht. Sparsam, mit großer Reichweite und vor wenigen Jahren noch als „sauber“ verkauft, kann man damit weit reisen. Bequem. Wenn man will, kann man sogar seine Heizung noch mit dem Kraftstoff betreiben. Angepriesen, beworben – der Dieselmotor ist der gängige Antrieb im Wohnmobilausbaubereich. Heute ist alles anders. Alle Dieselfahrzeuge, egal ob 5 oder 2 Jahre alt, gelten als „Stinker“. Eliminiert sollen sie werden. Neugekaufte Fahrzeuge, vielleicht sogar mit der Abwrackprämie finanziert, sind kaum noch etwas wert. Wiederverkaufen ohne große Verluste? Kaum möglich. Statt sich über die Entwicklung und Entscheidungen zu echauffieren – es bringt ja sowieso nichts – kann man auch seine Augen nach Alternativen offen halten. Denn eins ist klar: wenn der Diesel geht, muss etwas Neues kommen. Mit einem Benziner werden die meisten Wohnmobilisten und Wohnmobilausbau-Besitzer nicht glücklich werden. Vor einigen Jahren sah es hier am Markt noch mau aus. Mittlerweile gibt es aber schon den einen oder anderen alternativen Antrieb.

Hybridantriebe für Wohnmobilausbauten – eine engagierte Alternative

Hybridantriebe setzen, wie der Name es schon vermuten lässt, auf zwei Antriebe. Hier wird ein klassischer Benzinmotor mit einem Elektromotor kombiniert. Der Vorteil: neben der Steuererleichterung sinkt der Spritverbrauch. Beim Ford Transit soll der Mild-Hybrid immerhin eine Ersparnis von 10 bis 15 % bringen. Einen Schritt weiter geht der Plug-In-Hybridwie er bspw. im Ford Transit Custom PHEV zu finden ist. Der Transit Custom ist schon länger für Wohnmobilausbauer interessant und erfreut sich an einer wachsenden Fangemeinschaft. Der neue Antrieb hat also Potenzial. Der Lithium-Ionen-Akku treibt hier einen Elektromotor an, der wiederrum die Vorderräder antreibt. Der Benzinmotor lässt die Reichweite wachsen indem er die Batterie lädt. Die 14 kWh Batterie versorgt den Elektromotor immerhin für 50 km. Damit kann der Transit PHEV weitgehend emissionsfrei durch Städte bewegt werden. Um der vergleichsweise geringen Akku-Kapazität entgegenzuwirken, kommt zusätzlich ein Dreizylinder-Turbobenziner mit 1,0 Liter Hubraum zum Einsatz. Dieser Range Extender kann die Batterie laden und schafft es so die Reiseweite auf immerhin 500 km zu vergrößern. Das Laden: simpel. Man kann seinen Wohnmobilausbau ganz einfach an einer üblichen Haushaltssteckdose laden. In 5 Stunden soll er voll sein. Für Wohnmobilisten interessant: die Technik ist weitestgehend unter dem Boden verbaut. Der Laderaum bleibt somit erhalten. Kleines Manko: der Transit PHEV wiegt rund 200 kg mehr als sein Diesel-Bruder. Der Start zur Serienproduktion ist für den Oktober 2019 angesetzt.

Den großen Bruder, den Transit wird es mit Mild-Hybrid-Antrieb bereits im Mai 2019 zu kaufen geben. Die Batterie wird hier beim Bremsen geladen. So unterstützt sie den 2 Liter Dieselmotor beim Beschleunigen und versorgt vom Motor abgekoppelte Nebenverbraucher wie Klimaanlage und Servolenkung mit Strom.

Erdgasfahrzeuge als Wohnmobilausbau-Alternative

Eine weitere Möglichkeit vom Diesel wegzukommen, sind Erdgasfahrzeuge. Es gibt sie schon lange, nur der große Durchbruch hat noch gefehlt. Denkt man an seinen letzten Tankstellenbesuch zurück, erinnert man sich aber vielleicht an das CNG-Schild. Das Tankstellennetz für Erdgasfahrzeuge ist also schon gut ausgebaut. Fahrzeuge gibt es nun von Fiat und Iveco. Sowohl der Ducato als auch der Daily ist mit CNG-Antrieb verfügbar. Warum der Durchbruch bislang fehlt? Das Gas ist nur wenig billiger als Diesel. Die schweren Tanks, die das Gas beherbergen (ca. 400 kg) reduzieren die Nutzlast. Und – sicherlich mitentscheidend – in vielen europäischen Ländern wie Frankreich, Norwegen oder England, sucht man weitestgehend vergebens nach Erdgas-Tankstellen.

Sucht man sich seine Reiseziele anhand der Abdeckung an Erdgas-Tankstellen aus, kann sich der alternative Antrieb durchaus lohnen. Immerhin gibt es den Ducato schon seit 2015 mit CNG-Antrieb. Der Drei-Liter-Vierzylinder mit 136 PS sorgt für ordentlichen Vortrieb. Die Tanks nehmen immerhin 36 Liter Gas auf. Ein 15 Liter Benzintank ist jedoch notwendig, um das Fahrzeug zu starten. So springt der mögliche Wohnmobilausbau auch bei kalten Temperaturen an. Bereits nach wenigen Sekunden schaltet das Fahrzeug dann auf Erdgas um. Ist der Erdgas-Tank einmal leer, hilft der kleine Benzintank immerhin mit einem auf 80 km/h begrenzten Notprogramm um eine der rund 900 CNG-Tankstellen in Deutschland zu erreichen. Weiteres Plus: der Ducato läuft wesentlich ruhiger als sein Diesel-Bruder. Die 30 Nm mehr Drehmoment sind ebenfalls positiv zu spüren. Laut Fiat kommt man mit 8,6 kg Gas 100 Kilometer weit. Eine Tankfüllung reicht damit für knapp 400 km. Die Vorteile des CNG-Antriebs: mehr Leistung, weniger Verbrauch und ein angenehmes Geräuschniveau. Was also verhindert den Durchbruch des Erdgas-Ducato? Neben dem Tankstellennetz im Ausland, erschwert vor allem das Zusatzgewicht der Gasumrüstung von 270 kg den Durchbruch. Warum? Der Einsatz in einem 3,5 Tonnen Fahrzeug ist damit beinahe unmöglich. Wer also nur einen PKW-Führerschein hat, ist erst mal raus. Auch die Kosten von ca. 6.000 EUR für den Erdgasantrieb schrecken den einen oder anderen ab. Aber wer weiß vielleicht wird sich das schon bald ändern.

Wir können also festhalten, ja es gibt Alternativen. Mittlerweile sogar ein paar. Hybrid-Fahrzeuge, Erdgasfahrzeuge und wer will kann sogar auf reine Elektrofahrzeuge zurückgreifen. Letztere sollen laut einer Studien der Stahl Automotive Consulting GmbH ca. 2030 preislich wettbewerbsfähig sein – als Wohnmobil. Immerhin, das sind nur noch 12 Jahre. Wer jetzt schon auf einen alternativen Antrieb für seinen Wohnmobilausbau umsteigen möchte, hat die eine oder andere Wahlmöglichkeit. Wer noch warten und schauen will wo sie all das hin entwickelt, der kann vielleicht sogar gleich rein elektrisch fahren. Überstürzen sollte man nichts, ein wachsames Auge und Ohr hilft aber um sich auf den anstehenden Antriebswechsel vorzubereiten.

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